KEIN PUTSCH IN PETERSBURG

 

Noch zwei Abende vor unserer Abreise brach in Moskau die Revolution,  aus. Es wurde geputscht. Panzer auf den Straßen. Jelzin rettete das Land. Sollen wir fahren? Aber natürlich fahren wir. Michaela und ich.

 

Ein Auftrag einer Sparkasse an den Texter Jürgen Kraaz: St. Petersburg besuchen und darüber schreiben. Für den Jahresbericht. Mein Konzept: Keine Museen, keine Historien, nichts von dem, was man weiß. Sondern das, was ist. Darum auch wurde die Story nie gedruckt aber bezahlt. Vielen Dank.

 

In St.Petersburg wohnen wir im Oktijabrskaja-Hotel, das uns von Bekannten als typisch russisch empfohlen wurde. Es ist eines der wenigen Hotels, die von ausländischen Gästen noch Rubel annehmen, zumindest, wenn die Buchung von Rußland aus erfolgt. Das Gebäude ist riesig und alt, ein langgstrecktes, spitzwinkeliges Dreieck, aber direkt am Newskij Prospekt, der absoluten Hauptstraße von Petersburg. Seine Lage gegenüber dem Hauptbahnhof und einer der zentralen Metrostationen sollten wir noch zu schätzen wissen.

 

Der erste Eindruck ist erst mal ein wenig trist, die Damen am Empfang sind streng und wir schon etwas müde. Pässe, Geld (wie war noch mal der Wechselkurs?) und Visa sind gefragt. Aber Yuriy Zaitsev, dieser freundliche Mensch, der uns zusammen mit Jewgenij, dem Fahrer, abgeholt hat, regelt und klärt für uns. So kommen wir, auch, ohne im Besitz von Rubeln zu sein, zu unserem vorbestellten Zimmer. Eine freundliche Russin klärt uns über Preis und Kurs auf, und wir sind gerade noch in der Lage zu verstehen, daß uns das Zimmer ca. 60,- DM/50.000 Rubel kosten wird.

 

Abschied von Yuriy, der uns nicht ins Innere des Hotels begleiten darf - hier gibt es eine Sperre mit ein bis zwei Wächtern, die nur Hotelbewohner oder Leute mit "Passierschein" ins Haus lassen, um die Gäste - vor wem auch immer -zu schützen.

 

Unser Zimmer hat die Nummer 1006. Wir fahren mit dem Fahrstuhl in den 5. Stock, treffen gleich an der zentralen Flurkreuzung auf die Haupt-Concierge an einem eindrucksvollen Tresen, müssen um die Ecke zu einer Nebenflur-Concierge, die auch ein wenig streng guckt, und bekommen unseren Schlüssel. Der Gang zu unserem Zimmer ist beeindruckend lang, und absolut nichts lenkt den Blick ab - nur Zimmertüren in großzügigem Abstand und die nächste Kreuzung am Ende.

 

Tür auf, und wir sind in den sechziger Jahren. Wir haben ein kleines Apartment, Flur, Bad, Wohn- und Schlafzimmer etwas kühl, aber sauber und komfortabel mit Kühlschrank, Fernseher und Blick auf den Innenhof des Hotels. Und die Atmosphäre ist wirklich sehr russisch, obwohl wir jetzt noch gar nicht richtig wissen, warum.

 

Am nächsten Morgen müssen wir aus lauter Blödheit ohne Frühstück auskommen. Wir sind für 10 Uhr verabredet und vom Kulturschock überwältigt - da geht es auch mal ohne Kaffee.

 

Nachmittags machen wir uns klug: Es gibt auf jedem Stockwerk ein "Buffet" bzw. einen "Grill-Imbiß" im zweiten Stock. Alles mit Selbstbedienung und schwankendem Angebot, einigen Tischen, um dort zu essen, aber doch recht ungemütlich. Und so konzentrieren wir uns bald auf das "Buffet" in unserem Stockwerk. Hier gibt es alles Mögliche, aber das nicht immer: belegte Brote - mit, aber meistens ohne Butter, Fanta, Cola, Bier aus aller Herren Länder, Krimsekt, harte Eier, Tomaten, gegrillte Hähnchenteile und massenweise Kaffee oder Tee (die Würstchen sind ganz und gar nicht zu empfehlen), was man dann viel gemütlicher im eigenen Zimmer essen kann.

 

Bald lernen wir, wie wichtig die Dame am Buffet ist, denn die entscheidet, wieviel Instantkaffee ins Glas kommt und wieviel er kostet. Daß diese Proportion nicht unbedingt proportional ist, merken wir beim ersten Schichtwechsel.

 

Wir haben uns gerade so richtig schön eingelebt, blicken mit den Preisen langsam durch (rund 800 Rubel kosten 1 DM) und wissen die freundlichen Gesten der Bedienung zu schätzen, wenn wir das benutzte Geschirr wieder zurückbringen. Zwei Löffel Kaffee ins Glas, und gern würde sie auch noch jedem zwei Löffel Zucker dazutun - alles lieb und nett, so daß man sich nicht ganz so dumm dabei vorkommt, in einem fremden Land zu sein, ohne dessen Sprache zu sprechen. Die Tomaten nimmt sie mir wieder aus der Hand und geht sie waschen, bevor ich sie wiederbekomme. Wenn ich dann alles habe, was ich brauche, bekomme ich den Preis auf einem kleinen Taschenrechner gezeigt. Trinkgeld - das irritiert sie eigentlich eher.

 

Sie beschließt im Lauf der Tage, es mit uns etwas lockerer zu handhaben, und so wird nun der Preis, je nachdem was so an Geldscheinen zur Hand ist, auf- oder abgerundet. Daß das nicht unbedingt selbstverständlich ist, merken wir ein paar Tage später, als uns eines Morgens ein fremdes Gesicht entgegensieht. Nun gibt es nur noch einen Löffel Kaffee ins Glas, dafür ist der Preis von 320 auf 400 Rubel gestiegen, die Tomaten werden nicht mehr gewaschen, und das ganze Geschäft läuft so unfreundlich ab, daß bald keiner von uns mehr so recht Lust hat, zum Buffet zu gehen. Aber dafür ist die Freude dann wirklich groß, als wir beim nächsten Schichtwechsel wieder unsere alte Buffet-Dame zurücktauschen - darauf trinken wir erst einmal eine Flasche Krimsekt.

 

Bald unterscheiden wir auch die verschiedenen Concierges, die streng-mütterliche, die, der alles egal ist und die freundliche junge. Sie alle sollen es zur Aufgabe haben, die Hotelgäste vor Belästigungen zu schützen, aber bald bekommt man den Eindruck, daß sie wohl auf so manchem Auge blind sind. Kaum hat man abends das Zimmer zum Essen verlassen, liegt beim Zurückkommen eine rosa Karte unter der Tür, die einem Mädchen für alles anbietet - der Zeichnung nach zu urteilen, geben sie für Berufskleidung nicht viel aus. Ich trage die Karten zur Concierge, jede von den dreien hatte mal Dienst, deute an, daß wir keinen Bedarf haben, und ernte durchgehend nur Fassungslosigkeit - wie das nur passieren konnte, das ist ihnen völlig unerklärlich.

 

Das Leitungswasser ist nicht trinkbar, das merkt man sofort an der Farbe, wenn man einmal eine Badewanne einlaufen läßt. Dieses Problem läßt sich jedoch mit Krimsekt für 7,- DM die Flasche ausgleichen, und der Kaffee kostet zwischen 320 und 400 Rubel das Glas.

 

So wird man immer schlauer, genießt die Leute, die freundlich sind, versucht sich keine Gedanken über die zu machen, die es nicht sind, und läßt es sich gutgehen. Je länger wir in diesem Hotel sind, desto mehr wissen wir den Komfort zu schätzen. Kein Luxus in unserem Sinne, den kann man haben, wenn man für 400 Dollar am Tag im Hotel Europa wohnt. Hier bezahlen wir pro Übernachtung "nur" zwei durchschnittliche Monatseinkommen eines russischen Arbeiters (ca. 24.000 Rubel) und wohnen für hiesige Verhältnisse im Luxus.

 

Im Hotel warten wir auf Professor Oleg Kiselev, M. D., Ph. D., Sci. D., Direktor des Institute of Influenza and other Viral Diseases. Er kommt um 10 Uhr und ist, wie immer, etwas gehetzt, beschäftigt und doch liebevoll.

 

Unten vor dem Hotel wartet Jewgenij, sein Fahrer, der uns schon vom Flugplatz abgeholt hat. Der Wolga ist ein servofreies Auto, das den ganzen Mann erfordert. Und es ist nicht perfekt. Wie bei einem erfahrenen Autodieb tauchen Jewgenijs Hände unter das Lenkrad und schließen die heraushängenden Kabel mit einem Nebellichtschalter kurz. Auch der Scheibenwischer geht nicht immer, dafür muß Jewgenij sehr auf die überraschend hohen, tiefen und breiten Hindernisse achten, die sich unvermittelt auf der Straße auftun. "Die Straßen sind hart," sagt Michaela, "die Autos sind härter, aber die Fahrer sind das Allerhärteste." Und sie hat recht.

 

Es ist ganz selbstverständlich in dieser Stadt, daß die Autos mit voller Fahrt auf Menschen zufahren in der vollen Gewißheit, daß diese ausweichen. Und was machen die Menschen? Sie weichen aus. Ich habe einmal versucht, dieses Gesetz zu durchbrechen - ich werde es nicht wieder tun.

 

Das Institut hat seinen Platz in einem etwas heruntergekommenen alten Bürogebäude, dessen Front genauso ungepflegt wie sein Inneres zu sein scheint. Die Wissenschaft hat nicht viel Geld. Aber wenn man jahrzehntelang in einer Umgebung des Mangels wohnt, erscheint diese Optik nicht als Mangel, es ist, wie es ist.

 

Aber schon in Olegs Büro wirkt alles anders. Immer wieder kommen Institutsangehörige herein, bitten um einen Rat, beratschlagen gemeinsam über ein Moleküldocking auf dem Laptop des Chefs, während dieser mal freundlich, mal unfreundlich, mal laut, mal leise, aber immer sehr konzentriert und sehr russisch mit einem fernen Telefonpartner umnseinen nächsten Jahresetat kämpft.

 

In den Pausen erzählt uns Oleg von den Vorteilen der Marktwirtschaft, von dem Geld, das da ist und nicht ausgegeben werden kann, von dem großen Interesse der Petersburger an Westpartnern und West-Knowhow. Von dem Charakter der Russen, die es in den Jahrhunderten der Unterdrückung verlernt haben, selbständig zu arbeiten, sich selbständig zu machen, etwas zu unternehmen. "Aber in 5 Jahren sieht das hier alles ganz anders aus, ich habe große Hoffnungen."

 

Nach langem Warten bei Oleg geht es nun plötzlich ganz schnell. Yuriy Zaitsev, sein Geschäftsführer, Candidate of Medical Sciences, Department of Memory and Behavior Pharmacology am Institute of Experimental Medicine der Akademie der Medizinischen Wissenschaften, will uns die Stadt zeigen. In einem Nebenzimmer fragen wir Lena, eine junge Wissenschaftlerin, nach dem Weg zu einem Lokal. Sie kommt gleich mit. Zu viert stellen wir uns an die Straße, Lena hält ihren Arm raus, und es dauert nicht lange, bis uns ein privates Taxi zu einem schnell ausgehandelten Tarif durch die Stadt zum Lokal fährt. Und sogar aus dem Auto genießt man diese einzigartige Stadt, in der für einen selbst alles neu ist, alles, was man sieht, hört, schmeckt - ein Zauber für alle, die glauben, schon alles gesehen zu haben.

 

Wir fahren zum Newskij Prospekt - einem überaus breiten Prachtboulevard von beeindruckender Länge, der zu allen Tageszeiten von Massen von Menschen, lärmenden Autos und übervollen Trolleybussen übersät ist. Eine Geschäftsstraße. Schöne, mächtige, klassische Gebäude mit wenigen und kleinen Schaufenstern. Dazwischen eine große, unauffällige Eingangstür, in der sich die Menschen drängen. Wir gehen hinein. In dem engen Treppenhaus zum Hochparterre wird geschoben und gedrängt, man ist froh, heil durch die zweiflügelige innere Glastür zu kommen - und ist in einem Kaufhaus.

 

Hier scheint es alles zu geben, was es bei uns auch gibt, nur nicht so luxuriös, nicht so glitzernd, aber Mangel herrscht hier nicht. Erstaunt, verwirrt verläßt man das Haus und findet auf der anderen Straßenseite ein breites, gelbes Gebäude, das, zwei Geschosse hoch, an seinen Längsseiten wohl einen Kilometer lang ist, ein Handelshaus aus dem späten 18. Jahrhundert. Unendlich lang, immer geradeaus, reiht sich hier Geschäft an Geschäft, Shop-in-Shop nennen wir das bei uns, hier ist es einfach eine Ansammlung aller Dinge, die man kaufen kann.

 

Ein kleines Stück weiter den Newskij hoch lockt die klassizistische Fassade des schönsten Lebensmittelgeschäftes der Welt. Das faszinierende Licht, die erstaunlich geformten Lampen, das reiche, überreiche Angebot an Köstlichkeiten, die weißen Kittel der Verkäuferinnen - Jugendstilpracht in ihrer schönsten Form.

 

Aber es ist unmöglich, alles zu erzählen, alles zu sehen. Man ist in einer Stadt der Bilder, Menschen und Geschichte und kann nur hoffen, daß man sich an ihr verändert.

 

Ich habe eine Verabredung. Bin kein Tourist mehr, sondern einer der vielen, die auf den Straßen hierhin, dorthin wollen, ihre Geschäfte tätigen. Einer von sechseinhalb Millionen mit einem Ziel. Ich finde das Haus, ein schweres, klassisches fünfstöckiges Gebäude mit kleinen Läden und mehreren Eingängen - aber kein Schild, keine Werbung, ein Mietshaus? Ich trete durch die alte, große Tür. Im Treppenhaus kein Licht, aber oben auf dem Absatz ein Fenster. Es läßt das Licht herein, das ich liebe: sehr dunkel, schwer, die Wände verlieren sich im Nichts. Es war das falsche Treppenhaus.

 

Ich finde ein anderes, ein helleres, steige die breite Treppe hoch und sehe einen Concierge hinter einem kleinen Fenster sitzen. Aber er beachtet mich nicht. Ich gehe vorbei. Vor mir und hinter mir lange Flure mit langen Seitenfluren, versteckten Eingängen, unmöglichen Blickwinkeln und rätselhaften Aufschriften. Ich öffne eine Tür und werde von einem Luxus geblendet, der uns ganz alltäglich erscheint: ein großes, schwarz gestyltes Büro, hier ein Computer, dort ein Fax, geschäftig eilt eine eng berockte, hochhackige, gutgeschminkte Schönheit umher. Aber das ist nicht die Welt, wie ich sie am Telefon heraushörte.

 

Ich suche einen Ursprung, einen Anfang - nicht das schon nahezu Fertige. Ich schließe die Tür, verirre mich im Labyrinth der Gänge, Türen, Kammern und Büros, deren Optik und Vielfältigkeit mich an Kafka erinnert. Aber dann sitze ich schließlich in dem kleinen Café des Ost-West-Kontaktbüros einer Berlinerin gegenüber, die ganz konkrete Vorstellungen davon hat, wie man ein Dienstleistungsunternehmen in Petersburg aufziehen kann, soll, muß.

 

Stefanie hat zusammen mit einem Petersburger ein Serviceunternehmen für Einzelreisende und Geschäftsleute gegründet. Und das ist genau das, was Petersburg am meisten fehlt. In einer Stadt, deren Sprache, deren Schrift man nicht versteht, deren Vorschriften rätselhaft und deren Taxifahrer unberechenbar sind, braucht man einen Führer. Einen Insider, der Englisch oder Deutsch spricht, der Fragen beantwortet, schon bei den Reisevorbereitungen hilft, der führen, buchen, übersetzen und informieren, Autos mieten und fahren, reden und zuhören kann. Und damit ist das Tor nach Petersburg auch ohne Beziehungen oder Gruppenreisen weit geöffnet.Für Reisende mit geschäftlichen Absichten wird wirtschafts-juristisches Fachwissen zur Verfügung gestellt, Dokumente werden geprüft, Verträge übersetzt, und ein fachkundiger Service berät über die organisatorische und steuerliche Situation genauso wie über Import-, Export- und Zollbestimmungen, über Lizenzen, Quoten, Immobilien, über Eigentumsfragen, Administration und Quartiere und übernimmt nach ihrer Abreise die geschäftliche Korrespondenz und ihre Interessenvertretung in Petersburg. Und warum kein Schild neben dem Hauseingang? Das dürfen sie dort nicht aufhängen. Noch nicht.

 

Ich gehe in eine Metrostation. Ein fernes Mahlen, Schaben und Rumpeln macht klar, daß ich mich dem Schlund der Hölle nähere. Denn hinten sieht man noch, wie die Menschen ohne Gegenwehr in den Boden versinken. Aber ich habe keine Chance, dem Sog zu entkommen. Nein, ich habe die Pflicht, eine Metromarke in einen Schlitz zu stecken. Aber der Druck von hinten ist zu stark, ich schaffe es nicht, bin schon vorbei, man drängt mich direkt auf die rasenden Stufen zu, ein alarmierendes Schnarren kündet von meinem Gesetzesverstoß, niemand kümmert es. Und schon geht es hinab in rasender Fahrt. Unfaßbar, wie steil, wie unendlich tief der Tunnel nach unten führt. Petersburg ist auf Sumpf gebaut, und erst unter dem Sumpf konnte die U-Bahn gebaut werden. Die steile Röhre ist in kunstvolles Dämmerlicht gehüllt, die Menschen um mich herum sind von unzähligen wunderschönen Lampen zwischen den ächzenden, rollenden Treppen diffus beleuchtet. Zwei abwärts, eine aufwärts. Unfaßbar der endlose Blick nach oben oder unten - kein Anfang, kein Ende der Fahrt ist auszumachen. Doch da: Ich springe auf festen Boden, werde weitergetrieben zur nächsten Treppe, und alles beginnt wieder von vorn, nur tiefer, noch tiefer.

 

Erst wenn man das rauschende, quietschende Einfahren der Züge näher kommen hört, ist man angekommen. Aber Ruhe ist hier nicht. Minutenweise kommen die Züge, von einer Digitaluhr im Countdown angekündigt - 10, 9, 8 Sekunden bis zum nächsten Zug. Und schnell fährt er in den schwarzen Schlund der Hölle, krächzend kommentiert in einer Sprache, die unwirklich ist, weil nicht einmal Ursprünge, Ahnungen sie mit der eigenen verbinden.

 

Die Fahrt dauert lange, die nächste Station ist weit, die Züge schnell. Zwei Stationen weit wollen wir, aber schon nach der ersten müssen wir raus, raus, raus, die nächste ist geschlossen, zur Treppe, zur Treppe, aufwärts, hoch, nach oben, zum Licht, geschoben, gezogen, getragen, weiter, weiter, und dann werden wir ausgespuckt, als ob nichts geschehen wäre. Warum sind wir hier?

 

Oleg erklärt, daß die einstmals berühmteste und nun wohl zweitberühmteste aller lebenden Ballettköniginnen ihr 25jähriges Berufsjubiläum feiert. Man reicht uns ein russisches Programm, und schon hören wir nach einem pompösen Verdi-Intro das erste Laudatio einer vitalen Matrone. Eine junge hochgewachsene Frau betritt die Bühne. Erst viel später begreife ich, daß es die geehrte Heldin ist. Ihre jugendliche Ausstrahlung, entpuppt sich erst in direkter Nähe als schöner Schein. Es folgt eine kleine ergreifende Rede von einem älteren Bühnenkollegen, und ein klassisches Stück am Flügel. Sie lehnt sich an das schwarze Instrument im engen roten Kleid. Dann beginnt er zu singen, leise, rücksichtsvoll, sie ist berührt und tanzt die ersten schönen Schritte, zieht die Schuhe aus und beginnt im engen Rock über die ganze Bühne zu tanzen. Und dann in reger Reihenfolge das reiche, vielfältige Proramm ihrer Freunde. Für sie. Nur für sie.

 

Ein Bild nach dem anderen, immer wieder neu. Und dann tanzt sie selbst, tanzt ihn noch einmal, den sterbenden Schwan. Spaziba, Spaziba, danke, danke ruft sie in das jubelnde Publikum und schwenkt ihr volles Sektglas, daß die Tropfen spritzen. George möchte wissen, ob Du beim Geheimdienst bist, fragt Oleg mich über die Schulter und meint den stetig schreibenden Stift in meiner Hand. Der Schrecken ist für sie noch nicht ausgestanden.

 

Spät abends dann finden wir uns zu fünf in der U-Bahn wieder, etwas lustig. Zum Abschied umarmen und küssen wir uns alle. Spasiba, Spasiba.

 

Die Zeiten, wo einem in Rußland die Levis-Jeans vom Leib gerissen wurden und man mit einem Koffer voller Kaugummi das Geschäft seines Leben machen konnte, sind vorbei. Mit Kleidern, Gebrauchtwagen und Schokoriegeln wird zwar nach wie vor Geld verdient, doch mittlerweile ist auch für Unternehmen mit langfristiger Perspektive in Rußland einiges zu holen. So für die Genfer Firma, die seit drei Jahren von ihrem St. Petersburger Stützpunkt aus Funkenerosionsmaschinen in der ehemaligen Sowjetunion verkauft. Die Kunden sind Rüstungs-, Uhren- und Autofabriken und zunehmend in Rußland tätige Westunternehmen. Für den Verkauf der Maschinen sind drei Agenturen zuständig, den Support organisiert das Zentrum in Petersburg, inklusive der Mitarbeiterausbildung für Verkauf, Montage und Service.

 

Wichtig: Geld arbeitet in Rußland noch nicht von allein, es bedarf der Führung und eines vernetzten, visionären Denkens, das an den freien Markt und Konkurrenz gewöhnt ist. So wie das deutsche Bauchemieunternehmen, das eine baufällige Brücke in Moskau als Demonstrationsobjekt ausgesucht hat, um es auf eigene Kosten zu sanieren. Mit der Petersburger Brückenverwaltung entwickelte die Firma jetzt superleichte Fahrbahnbeläge für die insgesamt 20 Klappbrücken über die Newa.

 

Die Abwesenheit von Produktwerbung im Sozialismus hat dazu beigetragen, daß wichtige Informationen mündlich weitergegeben werden. Selbst höchste Chefetagen sind heute noch offen für Kontakte, Tips und Empfehlungen. Jeder könnte ein potentieller Informationsträger sein. Größer als viele andere ist ein großer Fahrstuhlhersteller eingestiegen, der in Petersburg eine hypermoderne Fabrik aus dem Boden gestampft hat. Die Firma beschäftigt vier westliche Mitarbeiter und 200 Russen in Verwaltung und Produktion. Daneben baut das Unternehmen einen Kundendienstservice auf, der allein in St. Petersburg und Karelien 10.000 Anlagen von russischen Herstellern betreut. Service ist in der ehemaligen Sowjetunion ein vernachlässigter Markt, der aber vertrauenswürdige Kontakte zu potentiellen Kunden schaffen kann.

 

Mit Serviceleistungen betritt man Pfade bereits bestehender, aber vernachlässigter Strukturen und verwandelt alte staatliche Monopole durch Konkurrenz- und Marktdenken. Aber aller Anfang ist schwer, und wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Und das nicht erst seit Gorbatschow.

 

Forschen in Deutschland, produzieren und montieren in Billigfernost - wenn von Rußland die Rede ist, lohnt es sich, gewohnte Thesen auf den Kopf zu stellen. Denn die Bevölkerung der Sechsmillionenstadt St. Petersburg besteht zu einem Drittel aus Hochschulabsolventen, hochqualifiziert und größtenteils arbeitslos. Die einstmals gefürchtete Rüstungsindustrie, die in Petersburg 70 % der Arbeitsplätze stellte, ist zusammengebrochen. Zehn Prozent des wissenschaftlichen Potentials Rußlands sind in Petersburg zu Hause, zehn Prozent der Infrastrukturen, der Produktionsanlagen, der Logistik, des Know-hows, der gelernten Arbeitskräfte und öffentlichen Einrichtungen - all dies ist nutzbar, die Bausteine der Zukunft.

 

Dreht man den Grundsatz der Produktionsverlagerung in Billiglohnländer um, ergeben sich hochinteressante Möglichkeiten. Denn die Investitionskosten in ein Konstruktions- und Entwicklungsbüro sind minimal gegenüber der Investition in eine Produktionsanlage. Unter der Leitung eines Westingenieurs könnten hervorragend qualifizierte russische Mitarbeiter für geringe Löhne Projekte verwirklichen, die im Westen wegen der hohen Forschungs- und Entwicklungskosten viel zu teuer und risikoreich wären. Die Produktion könnte dann im Westen erfolgen, wo die Fabriken bereits stehen, die Verteilerstruktur und der Markt vorhanden sind. Keine Vision, sondern Realität.

 

 

Und nun 15 Tips & Tricks für alle, die in Petersburg etwas unternehmen wollen.

 

Planen Sie genau, denken Sie weit voraus: In Rußland hat nicht jeder ein Auto, ein Mobiltelefon, ein Fax oder eine Sekretärin, die die Organisationsfehler des Chefs ausbügelt.

 

Versuchen Sie die wichtigsten Dinge an den Anfang zu legen.

 

Seien Sie pünktlich. Trotz allem.

 

Der Arbeitstag beginnt meist erst um 10 Uhr. Aber bis Mitternacht können Sie Ihre Geschäftsfreunde noch unbesorgt anrufen.

 

Ein Termin am Morgen, einer am Nachmittag, einer am Abend - mehr ist kaum zu schaffen.

 

6. Halten Sie sich an die 60 %-Regel. Wenn Sie 60 % Ihrer Ziele erreichen, war die Reise erfolgreich.

 

7. Rechnen Sie genau, aber vergessen Sie Ihre Krämermentalität. Klären Sie den Unterschied zwischen Investition, Sponsoring und Joint-Venture.

 

8. Verschenken Sie keine Ferienreisen in die Karibik und Daimler-Benz-Limousinen, auch wenn man Ihnen andeutet, daß damit die Geschäfte besser laufen.

 

9. Bevorzugen Sie bei Übersetzungen die detailreichere deutsche oder französische Übersetzung.

 

10. Viele Russen kennen nur unselbständiges Arbeiten. Haben Sie Geduld, und fordern Sie die Kreativität ihrer Mitarbeiter heraus.

 

11. Lassen Sie Ihre Angestellten für sich und nicht für die Firma arbeiten. Der persönliche Nutzen ist in Rußland wichtiger als Geld.

 

12. Beziehungen sind alles. Stimmen die nicht, hilft Trinkfestigkeit eher weiter als Geld.

 

13. Besorgen Sie sich einen zuverlässigen Mitstreiter für die unvermeidlichen Papierkriege. Ausgemusterte Generäle und andere ehemals hohe Militärs haben sich da sehr bewährt.

 

14. Stempel und Dokumente sind das halbe Leben. Bewahren Sie alles auf, was irgendwie offiziell aussieht.

 

15. Und wenn nichts mehr hilft, rufen Sie den Ost-West Kontaktservice (0 07-8 12) 2 79 36 35 oder das Pressebüro St. Petersburg (0 07-8 12) 3 11 66 25 an. Die haben das schon hinter sich.

 

Nach langer Suche finde ich den Eingang zur U-Bahn-Station des Moskauer Bahnhofs, die sich direkt durch das tiefe ununterbrochene Grollen der Rolltreppen ausweist, die weit in die Tiefe führen.

 

Und wieder diese Fahrt in die dunkle Röhre, nach unten, heute ist es weniger voll, aber nicht weniger schnell, schnell. Dieser U-Bahnhof ist ein wahrhaft klassischer, paßt zum Bahnhof oben. Wunderbar geschwungene Bögen über mir, reiche Ornamente, geflieste Böden. Ich lege einen Film ein, klettere auf einen Vorsprung, fotografiere, verändere Belichtung und Winkel, klettere durch eine Absperrung, erhalte einen warnenden Blick von der Aufpasserin, die nichts anderes zu tun hat, als darauf zu achten, daß auf den rasenden Rolltreppen niemand Schaden nimmt, zwei Alarm-Telefone vor sich. Aber willst man hier fotografieren, sollte man es schnell und unauffällig tun. Denn nach wenigen Minuten schimpft mich eine russische Stimme von der Seite an. Eine Frau mit Windjacke und Regenschirm tut sehr, als hätte sie mir viel zu sagen. Laut, ohne Unterbrechung und völlig unbeeindruckt davon, daß ich kein Wort verstand. Ich versuche zu erklären, deutsch, englisch, keine Chance. Ich verstehe das Wort Miliz. "Gut," sage ich nach längerer Diskussion, "dann gehen wir zur Miliz." Ich habe mehr Angst um meine Kamera als um mich. Und so geht es aufwärts mit ihr. Sie guckt stur geradeaus, weil vielleicht Menschlichkeit in ihren Augen sie verraten hätte. Ich schaue sie leise grinsend an und führe eine lautes Selbstgespräch über russische Gastfreundschaft. Oben angekommen werde ich einem Milizsoldaten übergeben, der mich zur Seite nimmt und hinter ein Absperrgitter, weg vom normalen Publikum, führt: Langsam wird es kritisch. Hinein in eine Wachstube, einem kleinen, dunklen Alptraum, in dem mir zuerst ein kleiner Drahtverhau auffällt. Dort sitzt schon einer, etwas abgerissen, den Kopf auf die Hände gestützt, vor sich hinstarrend - das Gefängnis im Wachraum, eher ein Zwinger, nicht höher als 150 cm, schließlich soll man hier sitzen. Dazu das Bild aus einem Rußland-Film: drei Soldaten, einer hinter dem Schreibtisch, die anderen lässig danebenstehend, hören sich die Schilderung meiner Untaten an. Diskussion auf Russisch. Kein Englisch, kein Deutsch, nur Blicke und eine wertvolle Kameraausrüstung. Hin und her die Worte, Blicke. Sie schätzen mich ab. Dann hebt der eine die Hand und betätigt einen imaginären Auslöser: "Nicht schießen!" Der Soldat, der mich hineineingeführt hat, macht eine kaum merkbare Kopfbewegung. Ich darf gehen. Ich salutiere leicht und erleichtert und gehe. Die Bilder habe ich im Kasten, den Film haben sie mir gelassen. Danke.

 

Unser erster Restaurantbesuch in Petersburg findet - auf Empfehlung von Lena aus dem Institut - im Troika statt, dem "Moulin Rouge von Petersburg" (Zagorodnij Prospekt 27). Ein Kellner bringt uns an unseren vorbestellten Tisch nahe der Bühne und fragt, in welcher Währung wir bezahlen möchten - es geht beinahe alles, nur Rubel nicht. Das ist etwas peinlich, denn wir haben unsere vielen Dollars im Hotel gelassen, gut versteckt im Badezimmer (hoffentlich). Da hilft nun nichts, das Geld muß her. Jürgen opfert sich, und der freundliche Yuriy begleitet ihn. Lena und ich bekommen schon mal Getränke an den Tisch und haben Zeit, uns umzusehen. Gedämpfte Beleuchtung, runde Tische, im Raum verteilt, und einige Nischen an den Wänden. Das Publikum ist gut angezogen, und die meisten scheinen Ausländer zu sein. Wir erzählen und trinken, und als Yuriy und Jürgen wieder auftauchen, haben sie bereits die Rechnung bezahlt. Vorkasse und ein Festpreis von 45 Dollar pro Person, das können sich nur wenige Russen leisten. Man hat die Wahl zwischen einem europäischen Menü und einem traditionell russischen. Wir nehmen das russische: Blini mit rotem Kaviar, Suppe und Fleisch. Alles reichlich und gut, und verdursten muß auch keiner bei Krimsekt und russischem Wodka - dem besten, wie Lena meint. Zum Essen wird eine Bühnenshow geboten, ein bißchen lustig und viel Erotik. Das ist nun Geschmackssache, auch weil man sich dabei nicht mehr unterhalten kann. Danach kann getanzt werden. Wir bestellen noch eine zweite Flasche Wodka, die dann allerdings nicht mehr im Preis mit enthalten ist, und sind am Schluß ganz froh, daß Yuriy uns zurück ins Hotel bringt - nach unserem ersten Restaurantbesuch in Petersburg.

 

Auf einem unserer Ausflüge erinnern wir uns an die Berliner Empfehlung, unbedingt einmal das Café Oetker zu besuchen, Newskij Prospekt 40. Zu Anfang des Jahrhunderts ein Treffpunkt deutscher Einwanderer, wurde es nach der Perestroijka als Joint-Venture wieder eröffnet. Das Café ist klein und wirklich umwerfend schön. Die Wände sind im Jugendstil mit Spiegeln und Bambus verkleidet, daß einem Hören und Sehen vergeht. Hier gibt es deutsches Bier, Dr. Oetker-Gerichte, Kuchen, Kaffee und die gepflegteste Toilette, die ich in ganz Petersburg zu sehen bekommen habe. Nach unseren Erlebnissen im Hard-Currency-Land versuchen wir es einmal auf eigene Faust. Irgendwo bei unserem Hotel soll es auch ein Restaurant geben. Also auf ins Abenteuer, raus aus dem Hotel. Auf halber Länge des Gebäudes sehen wir schon so etwas, aber das sieht doch etwas gespenstisch aus. Wir gehen um die Ecke zur kurzen Seite des dreieckigen Blocks und finden, unter Baugerüsten versteckt, einen völlig ungekennzeichneten Eingang. Der Hunger treibt uns rein, wir landen in einem kleinen Vorraum. Im Dunkel dahinter erkennt man eine Bar, die sich aber wohl mitten in der Renovierung befindet, Baustelle. "Restaurant?", fragt Jürgen, ja Restaurant, alles o. k. Wir werden unsere Mäntel los und landen im Tiefparterre des Hotels, im Restaurant Oktyabriskij (Ligowskij Prospekt 10). Das hier ist kein Joint-Venture. Die Einrichtung erzählt von früherer Pracht, die inzwischen etwas angegriffen ist - aber das mit Würde. Wir werden an einen Tisch gebracht, an dem wir uns auch wohl fühlen - der Kellner spricht Englisch, und wir bekommen, was wir wollen. Die Atmosphäre ist entspannt gedämpft. Ich glaube, wir sind die einzigen Ausländer und fühlen uns gut im Ausland. Die freundliche Bedienung macht es uns aber auch leicht. Zur Unterhaltung spielt eine russische Gruppe westliche Musik, und das macht sie nicht schlecht, nur etwas zu laut. Der Wodka ist gut und wird nach Gramm bestellt, was erst einmal ungewohnt ist. Wer von uns weiß schon, wieviel Gramm Wodka er verträgt? Aber für einen netten Abend kann man zu zweit schon 300 g ansetzen, jedenfalls wenn es zum Hotel nicht allzuweit ist. Das war schön und gut. Wir bezahlen in Rubel und hatten einen netten Abend für 35,- DM.

 

In einer Seitenstraße des Newskij Prospekts, Rubinsteinstraße. 8, liegt der Sitz dieses jungen Unternehmens. Wie beinahe immer, ist es schwer zu finden. Mit mehrmaligem Fragen bringt Jewgenij uns aber an die richtige Tür. Der "St. Petersburg Information Channel" teilt sich mit zwei anderen Unternehmen die Etage, und wir stehen einer bunten Mischung aus Computerzeitalter und Improvisation gegenüber. Ob wir russisch können? "Absolut nein", klärt Jewgenij auf. Oh Gott, wie soll das gehen? Aber wieder haben wir Glück, etwas Englisch und zwei gesunde Hände. Jeder, der einmal in Petersburg war, ist überwältigt von der Geschichte dieser Stadt, dem kulturellen Angebot und der Unmöglichkeit, dies alles angemessen zu erfassen oder auszuwählen. Noch ist man auf den Zufall angewiesen. Hier will der "St. Petersburg Information Channel" als Informationszentrum dienen. Andrej Zonin, der dynamische und charmante Leiter, ist von Haus aus Informatikprofessor. Er gehört zu der nicht zu unterschätzenden Gruppe von Leuten, die "viele Jahre nur mit Freunden am Küchentisch sitzen und diskutieren" konnten und nun begeistert und mit großem Einsatz etwas bewegen wollen. Sein Markt ist die Kulturstadt St. Petersburg als touristisches Ziel. Mit Hilfe moderner Datentechnik und äußerst engagierter Mitarbeiterinnen werden hier Informationen gesammelt, zugeordnet, aktualisiert und distribuiert: o Was ist los in Petersburg? Ausstellungen, Veranstaltungen, kulturelle Angebote. Diese Informationen sollen für Individualreisende, Reisebüros und andere Interessenten abrufbereit sein. Ein monatlich erscheinender Veranstaltungskalender ist in Arbeit. Informiert über die Tourismusbranche in Petersburg Reisebüros und ihre Angebote bzw. Spezialisierungen, Hotel- und Restaurantangebote, St. Petersburger Initiativen, Wohltätigkeitsveranstaltungen, Förderer der Stadt und Initiativen, die Unterstützung benötigen. Der Aufbau und die Pflege dieser Datenbank erfordern einen immensen Zeit- und Energieaufwand. Aber nur auf diesem Weg ist es möglich, dem interessierten Besucher Petersburgs einen Überblick über das aktuelle kulturelle Geschehen zu verschaffen, Reiseveranstalter zu informieren oder spezielle Interessengebiete St.-Petersburg-Reisender zu befriedigen. Also, wenn Sie wissen wollen, was in Petersburg los ist: St. Petersburg Information Channel, Apt. 3, Rubinsteinstraße 8, St. Petersburg, Rußland 191025, Telefon/Fax: (8 12) 3 14-43 48

 

Morgens früh müssen wir los, zum Flugplatz - etwas traurig gestimmt, machen wir uns fertig. Ich bade und dusche zum letztenmal, da höre ich eine Stimme durch die Badezimmertür: Yuriy ist da, Yuriy, unser Yuriy. Er will uns zum Flugplatz begleiten. In der Tasche hat er ein komplettes Frühstück für zwei Personen. Mit Broten und Filterkaffee in der Flasche, nicht dieses schreckliche Hotel-Zeugs, wie er meint. Jewgenij und Yuriy und der Wolga fahren Michaela und Jürgen zum Flughafen. Natürlich trägt Yuriy wieder alle Koffer und Taschen. Als wir uns dann nach herzlichen Abschiedsküssen in einer Traube amerikanischer Reisegruppen wiederfinden, wissen wir, daß wir gleich wieder zu Hause sind. Man steigt einfach ins Flugzeug, genießt die Ostseeküste unter sich, schläft ein wenig und ist zweieinhalb Stunden später in Berlin. So nah, so weit ist St. Petersburg. Wir danken Peter für seine Perspektive, Oleg für seine Mühe, Yuriy für seine Liebe, Lena für ihre Freundlichkeit, Jewgenij für seine Fahrkünste, Stefanie für ihren Mut und Andreas für seine Hilfe. Wir wollen sie alle wiedersehen. In St. Petersburg.